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1. Allgemeines
2. Was tun im Fall der Fälle?
3. Der Notruf
4. Der Atemstillstand bei Kindern und Erwachsenen
5. Herzdruckmassage bei Kindern ab acht Jahren und Erwachsenen
6. Die stabile Seitenlage
7. Die Schocklagerung

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1. Allgemeines

Wir möchten den Teufel zwar nicht an die Wand malen, aber Notfälle, bei denen schnelles und umsichtiges Handeln erforderlich ist, können zu jeder Zeit und an jedem Ort eintreten. Urlaube bilden da leider keine Ausnahme. Nur gut, wenn man dann einem Verletzten oder schwer Erkrankten helfend zur Seite stehen oder gar ein Leben retten kann. Dafür muss man nicht unbedingt ein ausgebildeter Rettungssanitäter mit  mehrjähriger Berufserfahrung sein. Dennoch wäre es gut, wenn die wichtigsten Grundlagen der "Ersten Hilfe", die lebensrettenden Sofortmaßnahmen, halbwegs präsent sind. Liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs mehrere Jahre, oder noch schlimmer Jahrzehnte, zurück, möchten wir an dieser Stelle einen Auffrischungskurs empfehlen. Das Deutsche Rote Kreuz, die Malteser, die Johanniter und viele weitere gemeinnützige Vereine bieten solche regelmäßig an und schließen die Wissenslücken gerne.

Aber auch, wenn das einmal Erlernte längst vergessen ist, Angst, bei der Ersthilfe einen kapitalen Fehler mit strafrechtlichen Folgen zu begehen, muss niemand haben. Ganz im Gegenteil. Wichtig ist, bei einem Notfall in einem zumutbaren Rahmen, also nach bestem Wissen und Gewissen, Hilfe zu leisten oder zumindest in die Wege zu leiten. Der Gesetzgeber steht hier eindeutig auf der Seite des Ersthelfers. Wer nicht hilft, und wenn es "lediglich" das Absetzen eines Notrufes ist, macht sich strafbar. Das ist nach § 323c des Strafgesetzbuches (StGB) unterlassene Hilfeleistung und kann mit einer Geldstrafe oder gar mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet werden. Anderen Menschen zu helfen, zahlt sich also aus.

Ein "HELD" sein!
Dieser einprägsame Begriff „Held“steht für eine Reihe von Sofortmaßnahmen, die grundsätzlich immer durchgeführt werden müssen. Also bitte nicht vergessen:
- H: Hilfe rufen, dass heißt, einen Notruf absetzen.
- E: Ermutigen und Trösten des Notfallopfers oder von anderen Beteiligten.
- L: Lebenswichtige Funktionen überprüfen (Bewusstsein und Atemkontrolle).  
- D: Decke unterlegen/zudecken, damit der Verletzte nicht auskühlt.

Dabei entspricht die Reihenfolge der Hilfemaßnahmen nicht zwingend der genannten Buchstabenfolge. Ermutigen und Trösten ist natürlich nur dann sinnvoll, wenn der Notruf getätigt wurde und die lebenswichtigen Funktionen gesichert sind.


2. Was tun im Fall der Fälle?

Regel Nummer eins: Ruhe bewahren!
Wer in einem Notfall helfen will, muss nach Möglichkeit vermeiden, sich selbst, das Notfallopfer oder andere Menschen durch vorschnelles, unbedachtes Handeln zu gefährden. Nur wer sich einen Überblick über die Situation verschafft, kann die notwendigen Hilfemaßnahmen sicher und zügig in die Wege leiten:

- Je nach Art des Notfalls kann es sinnvoll sein, noch vor dem Notruf, die Unfallstelle abzusichern oder Betroffene aus einem Gefahrenbereich zu retten. Grundsätzlich gilt dabei jedoch, die Eigensicherung des Helfers geht in jedem Fall vor.
- Den Betroffenen ansprechen. Ist er ansprechbar, kann er eventuell genauere Auskünfte über seinen Zustand, oder den Unfallhergang geben.
- Ist er nicht ansprechbar, sofort die Atmung kontrollieren, damit bei einem möglichen Herz-Kreislauf-Stillstand keine Zeit verloren geht. Am Besten hält man dafür die eigenen Wange dicht über Mund und Nase des Betroffenen, um seine Atmung zu fühlen. Oft sind auch Atemgeräusche wahrnehmbar. Gleichzeitig kann man auf den Brustkorb des Betroffenen blicken und sehen, wie sich Brust und Bauch beim Atmen heben und senken. Mit einer Hand auf der Magengrube des Betroffenen kann man die Atmung zusätzlich fühlen.
- Ist die Atmung vorhanden, kann  mit der Abwehr lebensbedrohlicher Zustände (Schock, starke Blutungen, starke Verbrennungen) begonnen werden.
- Wenn keine Atmung spürbar ist, liegt ein Atemstillstand vor, und der Betroffene muss unverzüglich beatmet werden.
- Bewusstlosigkeit bedeutet akute Erstickungsgefahr und damit Lebensgefahr. Ist die Atmung und das Herz-Kreislauf-System stabil, muss der Betroffene in der stabilen Seitenlage gelagert werden.
- Den Notruf sollte man so schnell wie möglich abgeben, am Besten parallel zu den oben genannten Maßnahmen. Das Notfallopfer sollte dabei möglichst nicht alleine gelassen werden. Gegebenenfalls weitere Personen um Hilfe bitten. 



3. Der Notruf

Der Notruf ist so schnell wie möglich zu tätigen. Wichtig ist hierbei, dass das Notfallopfer nicht alleine gelassen wird. NotrufWenn möglich kann man einen Beistehenden um Mithilfe bitten. Die Notrufnummern sind bundesweit einheitlich und generell kostenlos, egal welches Telefon (Telefonzellen, Festnetz, Handys, etc.) benutzt wird:
- mit 112 erreicht man direkt die nächste Feuer- und Rettungsleitstelle.
- mit 110 erreicht man die Polizei. Sie gibt die Meldung an den Rettungsdienst weiter.

Um einen Notruf möglichst effektiv abzugeben, sollte der potentielle Helfer die folgenden fünf W-Fragen genau beantworten:
- Wo ist der Notfall passiert?
Damit die Rettungskräfte nicht lange suchen müssen und so wertvolle Zeit verloren geht, muss der Ort des Notfalls genau beschrieben werden (Ort, Straße mit Hausnummer, Stockwerk, Autobahnkilometer usw.).
- Was ist passiert?
Damit die Rettungsleitstelle genau weiß, welche Maßnahme sie ergreifen muss, sollte nach Möglichkeit die Notfallsituation (Verkehrsunfall, Erkrankung, Brand, usw.) genau beschrieben werden.
- Wie viele Betroffene?
Sonst weiß die Rettungsleitstelle nicht, wie viele Fahrzeuge eingesetzt werden müssen.
- Welche Art von Verletzungen oder Erkrankungen?
Gibt es lebensbedrohliche Zustände (starke Blutung, Vergiftung, Brandwunden, Herz-Kreislauf-Stillstand), die besondere Maßnahmen, wie etwa den Einsatz eines Hubschraubers oder Notarztes, erfordern?
- Weitere Fragen?
Die fünfte und letzte Frage ist zugleich auch die wichtigste. Der Notruf ist erst  dann beendet, wenn die Rettungsleitstelle keine weiteren Fragen mehr hat. Bitte unter keinen Umständen vorher auflegen, denn nur wenn der Rettungsdienst alle notwendigen Informationen besitzt, kann er schnell vor Ort sein und effektiv helfen.



4. Der Atemstillstand bei Kinder und Erwachsenen

Sämtliche wichtigen Körperorgane, allen voran das Gehirn, benötigen für ihre Funktion dringend Sauerstoff. Setzt die Atmung aus, ist also allerhöchste Eile geboten, will man irreversible Schäden oder schlimmeres vermeiden.

- Zuerst sollte kurz geprüft werden, ob sich Fremdkörper (Erbrochenes, Blut) im Mund- und Rachenraum des Bewusstlosen befinden, welche die Atemwege verlegen. Wenn ja, müssen sie vor der Beatmung entfernt werden. Am Besten eignen sich hierfür die Finger der eigenen Hand. Aus hygienischen Gründen sollten dafür jedoch Latex-Handschuhe übergezogen werden. Sind auf die Schnelle keine verfügbar, tut es zur Not auch eine Plastiktüte.
- Den Betroffenen auf eine feste Unterlage, am besten auf den Fußboden, flach auf den Rücken legen.
- Überstrecken des Halses verhindert das Zurücksinken der Zunge und hält so die Atemwege frei. Dafür muss mit einer Hand das Kinn nach oben gezogen werden, während die andere die Stirn gleichzeitig nach unten drückt.
- Nun eine Hand auf das Kinn legen, dabei ruht der Daumen zwischen Mund und Kinnspitze, die übrige Hand auf dem seitlichen Kiefer. Bei der Mund-zu-Mund Beatmung hält die andere Hand dem Betroffenen die Nase zu. Jetzt tief Luft holen, den Mund des Betroffenen dicht mit dem eigenen umschließen und langsam ausatmen. Alternativ kann man auch die Mund-zu-Nase Beatmung gewählt werden, bei der eine Hand den Mund zu hält und der Betroffene durch die Nase beatmet wird.
- Bei jeder Atemspende muss darauf geachtet werden, dass sich der Brustkorb hebt.
- Die Atemspende muss bei Erwachsenen etwa alle 3 Sekunden erfolgen.
- Bei Neugeborenen und Kleinkindern ist es günstiger, von Mund-zu-Mund-und-Nase zu beatmen, weil Mund und Nase sehr nahe beieinander liegen. Dabei umschließt der Mund fest die Nase und Mund des Babys. Jetzt vorsichtig nicht zu viel und nicht zu kräftig Luft in die kleinen Lungen blasen.  
- Obwohl das Atemvolumen eines Säuglings viel geringer ist, als das eines größeren Kindes, muss es häufiger eine Atemspende erhalten: etwa alle 1 bis 2 Sekunden.



5. Herzdruckmassage bei Kindern ab acht Jahren und Erwachsenen

Bei der Herzdruckmassage wird das Herz zwischen Wirbelsäule und Brustbein zusammen gepresst, so dass Blut in die Aorta (Hauptschlagader) gedrückt wird. Während der Entlastungsphase füllt sich das Herz wieder. Einen Blutrückstrom verhindert die Aortenklappe. Bei korrekter Durchführung wird so ein Minimalkreislauf aufrecht erhalten, der die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes überbrückt.
Da die Herzdruckmassage in der Regel immer auch mit einer Beatmung verbunden ist, sind die ersten Schritte (Fremdkörper aus Mund entfernen, flach lagern, Kopf nach hinten überstrecken) identisch. Ist ein zweiter Helfer anwesend, übernimmt einer die Massage, der andere die Atemspende.

- Neben dem Betroffenen auf Höhe des Brustkorbes knien, am Besten auf der Herzseite.
- Zuerst 2 Atemspenden geben.
- Dann den Ballen einer Hand auf das untere Drittel des Brustbeins (die Mitte des Brustkorbes) legen. Hier liegt der Druckpunkt für die Herzmassage.
- Nun den Ballen der anderen Hand auf die erste legen.
- Mit durchgestreckten Armen wird der Brustkorb des Betroffenen durch Gewichtsverlagerung des eigenen Körpers etwa 4 bis 5 Zentimeter eingedrückt. Und sofort wieder entlastet. Die Hände bleiben auf dem Brustbein liegen.
- Bei Erwachsenen muss der Brustkorb 30 mal mit einer Arbeitsfrequenz von 80 bis 100 mal pro Minute eingedrückt werden. Dabei sollten Druck- und Entlastungsphasen in etwa gleich lange sein.
- Zähl-Schema für die Wiederbelebung bei Erwachsenen:
2 Atemspenden - 30 Druckmassagen
2 Atemspenden - 30 Druckmassagen
2 Atemspenden usw.
- Zähl-Schema für die Wiederbelebung bei Kindern ab acht Jahren:
2 Atemspenden - 15 Druckmassagen
2 Atemspenden - 15 Druckmassagen
2 Atemspenden - usw.



6. Die stabile Seitenlage

Bei Bewusstlosigkeit und ausreichender Atmung wird der Betroffene in die stabile Seitenlage gebracht. Ziel dieser Lagerung ist, dass der Mund des Betroffenen zum tiefsten Punkt des Körpers wird, so dass Erbrochenes und Blut abfließen kann und nicht in die Atemwege gelangen.

Klassische Version der "stabilen Seitenlage":
- Den Bewusstlosen in Hüfthöhe etwas anheben und den nahen Arm gestreckt unter dessen Körper schieben
- Fuß des nahen Beins an das Gesäß stellen
- Schulter und Hüftgegend der fernen Seite fassen und den Bewusstlosen behutsam zu sich herüberziehen.
- Den unter dem Körper liegenden Arm am Ellenbogen etwas nach hinten hervorziehen.
- Kopf in den Nacken überstrecken und Gesicht erdwärts wenden.
- Finger des obenliegenden Armes unter die Wange schieben.

Vereinfachte Version der stabilen Seitenlage:
- Neben Bewußtlosen knieen und den Arm auf dieser Seite im 90° Winkel strecken.
- Den anderen Arm des Bewußtlosen auf dessen Brust hochlegen.
- Den Bewußtlosen an der Schulter und Hüfte anfassen, langsam und sorgfältig zu sich ziehen bis die Bauchseite zum Boden zeigt.
- Das obere Bein anwinkeln und den Fuß in die Kniekehle des unteren Beines legen.
- Der oberen Arm  so lagern, dass der Vorderarm parallel zum Köper liegt.
- Kopf in den Nacken überstrecken und Gesicht erdwärts wenden
- Der Mund sollte leicht geöffnet sein und den tiefsten Punkt darstellen.

Stabile Seitenlage



7. Die Schocklagerung

Bei der Schocklagerung der Oberkörper flach gelagert und die Beine durch Unterschieben geeigneter Gegenstände hoch gelegt. Ziel ist es,  durch einen verstärkten Rückfluß von Blut aus den Beinen und aus dem Bauchraum zum Herzen eine verbesserte Durchblutung lebenswichtiger Organe zu erreichen. Ist der Betroffene ohne Bewusstsein, sollte die Schocklage mit der stabilen Seitenlage kombiniert werden. Sofort einen Arzt rufen.

Äussere Anzeichen eines Schocks:
- rascher, aber schlecht tastbarer Puls
- blasse, kalte, eventuell feuchte Haut
- rasches Atmen
- Frieren
- Angst
- Unruhe